Urlaub für einen Tag im Körper eines Beliebten

Es ist Morgen. Ein Lichtstrahl streift dein Gesicht und du wirst wach. Du stößt einen tiefen Seufzer aus, erhebst dich und schwebst vor den Spiegel. Es ist so, als ob du dein Spiegelbild vor purer, makelloser Schönheit küssen könntest.

Nun schlüpfst du in einen Hauch von Morgenmantel und wandelst an den bereits gedeckten Frühstückstisch. Dein Zimmer ist natürlich im Erdgeschoss, so dass du keine lästigen Treppen steigen musst.

Dein Handlanger (Mama) ist schon da und erwartet dich. Sie rückt dir deinen Stuhl zurecht und du setzt dich. Du verlangst einen frisch gepressten Orangensaft. In der Küche wird abrupt gerannt. Du bekommst deinen O-Saft. Nun willst du, dass dein Handlanger dein Tagesoutfit im persönlichen Ankleidezimmer zurechtlegt und zum 6. Mal auf Makellosigkeit prüft. Du schreitest in dein eigenes Badezimmer. Frühstück brauchst du nicht. Kleidergröße 34 ist ja sowieso schon viel zu fett.

Nun trägst du die 1. Spachtelschicht Make-up auf dein Gesicht auf. Dann noch in die sündhaft teuren Designer Klamotten von Dolce&Gabbana und die 2. Schicht Make-up. Eben noch die teuer gerichteten, weißen Zähne putzen und die unbezahlbare Chanel Handtasche genommen.

Vor der Tür steht schon dein 2. Handlanger (Papa), um dich mit dem Ferrari zur Schule zu fahren. Während der Fahrt beauftragst du mit dem Handy einen Handlanger über deinen Tag nachzudenken. Wen beglückst du heute mit deiner Anwesenheit? Ach ja! Die beste Freundin hat ja Geburtstag. Schnell noch einen Partyservice auf Daddys Kosten bestellen.

Die Schule ist ja so überflüssig. Nach dem Ankommen beauftragst du einen Streber mit deinen Hausaufgaben, lässt deine Entschuldigung fälschen und lässt dich in den Park fahren. Aber nicht ohne deine beste Freundin und eure Lieblingsmusik.

Im Park erwartet dich schon dein 1. Freund, ein vorrübergehendes Modeaccesoire. Man muss ja mit dem Trend gehen. Deine restlichen Handlanger packen Alkohol aus.

Nach einer Stunde kommt plötzlich die Polizei und fährt dich zurück zur Schule. Es ist Pause. Als du mit deinen zwei Handlangern an jeder Seite die Halle betrittst, wird es mucks-mäuschen still. Die Masse teilt sich vor dir, bis zu dem Platz an dem du dich niederlässt. Zwischendurch wirfst du mit schlechter Kritik über die Unbeliebten um dich und stetzt einen herablassenden Blick auf.

Da sitzt dein 2. Freund - man hat ja schließlich zwei Arme -. Ein Streber überreicht dir untertänig deine Hausaufgaben. Sein Blick ist auf Boden gerichtet. Er ist es nicht würdig dich anzusehen. Nun verlangst du eine Zigarette. Klar, wer beliebt und cool ist oder sein will, der raucht. Du holst dein 200€ Feuerzeug aus deiner Handtasche. Aber das Benzin ist leer. Normales unterklasse Feuerzeug? Nicht doch! Gewöhnliche Assozialen Streichhölzer? Nein, danke! Du ziehst einen 20€ Schein herrvor und lässt ihn von einem Handlanger anzünden - man muss ja schließlich sparen -. Mit dem Schein steckst du dir die Zigarette an. Die verbrannten Reste des Scheins schenkst du gnädigerweise deinem Hausaufgaben Streber.

Die restliche Schulzeit hast du Bauch- und Kopfschmerzen und verbringst draußen. Dein Chauffeur (Papa) holt dich von der Schule ab. Zum Mittagessen gib es für dich eine halbe Weintraube.

Puh. Du fühlst dich schrecklich aufgebläht. Erst mal Ausgleichssport. Drei Stunden joggen auf dem Laufband dürften angemessen sein. Jetzt bist du müde. Dein Handlanger (Mama) lässt dir ein Bad ein und du steigst für die nächsten vier Stunden in die Wanne. Letztlich brauchst du deinen Schönheitsschlaf. Vorher noch 12 Botoxspritzen, damit auch ja keine Fältchen entstehen, die Schlafbrille auf und unter die luftdichte Bettdecke, um bis zum nächsten Morgen zu konservieren. Na dann, gute Nacht...

21.12.06 14:05

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


woggle33 (23.12.06 16:49)
hehe, ist ganz nett.
aber warum macht ihr die armen minderbemittelten beliebten denn so fertig?

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